Dominant, (zu) wenig effizient und letztlich ohne Punkte

Die 1. Mannschaft verlor auswärts beim FC La Chaux-de-Fonds mit 3:2 (1:2)-Toren ein Spiel, das sie vor allem in der ersten Spielhälfte stark dominiert hat und so nach Spielanteilen und Torchancen nie hätte verlieren dürfen. Die Tore für die St. Galler erzielten Huber und Sabanovic, für die heimstarken Gastgeber trafen Adjej, De Melo und Pretot.

Beeindruckend war sie, die Heimserie des Neuenburger Aufsteigers – vor dem Duell mit Brühl hatten sie vor eigenem Anhang noch keinen einzigen Punkt abgegeben – dies sollte letztlich auch so bleiben. Die Kronen zeigten sich von Beginn an hellwach, waren auf dem Kunstrasen sehr präsent, standen hoch und prägten das Geschehen von Beginn an. So war der ganz frühe Führungstreffer nicht weiter verwunderlich, als Huber ein feines Riedle-Zuspiel zum 0:1 veredelte. Auch in der Folge waren die St. Galler die dominante, schlicht die bessere Mannschaft – sie kamen immer wieder zu Torchancen, so verpassten es Sabanovic mit seinem Kopfball (22.) und Huber mit seinem Schuss ins Aussennetz, entsprechend nachzulegen. Die Neuenburger hatten Mühe ins Spiel zu finden, wirkten unheimlich anfällig und hatten nach vorne kaum Aktionen. Nur wenig später war die Führung dahin, als Adjej mit seiner Flanke direkt von der Seitenauslinie ins Brühler Gehäuse traf (28.). Da sahen die Ostschweizer in der Defensive ganz schlecht aus. Nun waren die Gastgeber im Spiel angekommen, verpassten nur Minuten später nach einem Brühler Ballverlust, einem enorm schnellen Umschalten mit einem doppelten Doppelpass ihrer stärksten Akteure Adjej und De Melo gar die Führung.

Wenig Effizienz auf der einen, zwei unglaubliche Tore auf der anderen Seite

Diese gelang dann doch wieder den St. Gallern, als Sabanovic ein Riedle-Zuspiel via Pfosten zum 1:2 abschloss. Noch einmal verpassten es die Gäste, aus einer klar dominierten Halbzeit mehr Kapital zu schlagen, als Riedle nach einem Durchspiel mit Sabanovic alleine vor Martinovic eine mögliche Vorentscheidung verpasste (43.). So blieb es zur Pause beim letztlich (zu) knappen Vorsprung für die Ostschweizer.

Nach dem Seitenwechsel glich sich das Geschehen zusehends aus. Die Gastgeber zeigten durchaus, dass sie über eine qualitativ gute Mannschaft verfügten und auch, warum sie derart erfolgreich in die Spielzeit gestartet sind. Zwar führten die Brühler noch immer die feinere Klinge, zeigten schöne und überaus gepflegte Angriffe über zahlreiche Stationen – letztlich war dies aber durchaus gefällig anzuschauen, war aber auch deutlich zu wenig effizient und verkam so zur brotlosen Kunst. Und dies wurde auch wieder bestraft, als die Brühler Defensive zum zweiten Mal nicht gut aussah, als De Melo mit dem Kopf der neuerliche Ausgleich gelang (53.). Nun war das Spiel auf der Kippe, noch immer lagen mehr Vorteile aber auf Seiten der Gäste. Riedle verfehlte mit seinem Abschluss das Tor, auch Mittelstürmer Sabanovic zielte nebens Gehäuse, während auf der anderen Seite De Melo an Lazraj scheiterte. Nach einem Foul an Rafhinha hatten die St. Galler mittels Elfmeter nochmals die Chance auf die neuerliche Führung – Riedle scheiterte mit seinem Versuch an Torhüter Martinovic.

Packende Impressionen fotografiert von «Knipsi» Kurt Frischknecht

{igallery id=5703|cid=236|pid=3|type=category|children=0|addlinks=0|tags=|limit=0}

Elfmeter vergeben auf der einen, die Entscheidung erzwungen auf der anderen Seite

Nur Minuten später fiel letztlich die Entscheidung auf der anderen Seite: Pontes war zu spät im Zweikampf und verursachte einen Freistoss, den Lovacco vors Brühler Tor brachte. Die Defensive der St. Galler war zu wenig aufmerksam, lief nicht mehr mit, so dass letztlich die Zuteilung nicht mehr stimmte und Innenverteidiger Pretot das Leder volley herrlich unter die Latte zimmerte (74.).

So mussten sich die St. Galler plötzlich die Augen reiben, lagen eine Viertelstunde vor dem Ende gar im Hintertreffen. Sie suchten den nochmaligen Ausgleich, spielten nach vorne und kamen auch wieder zu etlichen Torchancen. Alleine in der Schlussphase vergaben Sabanovic zweimal und der eingewechselte Gaye nochmals hochkarätige Möglichkeiten, so dass die Gastgeber sich letztlich schelmisch über den nach diesem Spielverlauf kaum mehr erwarteten Heimsieg freuten. Nach dem Spiel verteilten sie freundlich Komplimente an die Gäste – dies konnten sie auch, denn die Punkte hatten sie ja zuvor bereits eingefahren.

Die Brühler ihrerseits verpassten es, ihre klare Dominanz schon vor dem Seitenwechsel auch auf die Anzeigetafel zu bringen. Dass sie es letztlich gar verpassten, auch nur einen einzigen Punkt auf den Heimweg mitzunehmen, war schlicht eigenes Verschulden. Vielleicht haben sie sich insgesamt auch zu stark auf die spielerische Überlegenheit verlassen, während die Gastgeber nach ihren jeweiligen Ausgleichen mit Kampf und Willen den Heimsieg schlicht auch einfach wollten, suchten und schlussendlich auch fanden.

Bereits am nächsten Samstag haben die Brühler im Heimspiel gegen Breitenrain die Möglichkeit, eine Reaktion zu zeigen und ihre Punkte-Ausbeute entsprechend zu verbessern.

Henri Seitter / ub

FC La Chaux-de-Fonds – SC Brühl 3:2 (1:2)

Stade de la Charrière – 310 Zuschauer – SR Dégallier

Tore: 4. Huber (Riedle) 0:1, 28. Adjei 1:1, 35. Sabanovic (Riedle) 1:2, 53. De Melo (Adjej) 2:2, 74. Pretot (Lovacco) 3:2

FC La Chaux-de-Fonds: Martinovic; Frossard, Pretot, Bonnet, Tournoux; Wüthrich, Demolli (46. Erard), Grossenbacher, Adjej (86. Halimi); Lovacco; De Melo

SC Brühl: Lazraj; Pontes (86. Lanzendorfer), Hug, Átila, Banoglu; Franin, Scherrer (78. Gaye); Huber, Riedle, Rafhinha; Sabanovic.

Bemerkungen: La Chaux-de-Fonds ohne Antunes und Massari (beide verletzt), Brühl ohne Bushati, Giger, Nguyen (alle verletzt), Jakupovic (gesperrt) – Gelbe Karten gegen Frossard (7., Foul), Riedle (54., Reklamieren), Lovacco (72., Foul), Pontes (73., Foul), Franin (83., Foul), Wüthrich (92., Reklamieren) – 86. Tor von De Melo wegen Offside annulliert