Auch der SCB ist eine halbe U21

Lirim Shala
Lirim Shala
Lirim Shala – nicht nur U21-Spieler, auch Vize-Captain bei Brühls erster Mannschaft.

Noch wissen die Mannschaften der Promotion League nicht, wann sie wieder mit dem Training beginnen können, der geplante Start anfangs März ist unsicher. Nicht zu kümmern braucht das die Teams des FC Zürich, FC Sion und FC Basel. Diese sind sogenannte U21-Mannschaften von Proficlubs – mit Ausnahmebewilligung. Dabei wäre der SC Brühl eigentlich auch eine «halbe» U21-Mannschaft, mindestens wenn man die U21 Trophy des Fussballverbandes anschaut.

In der U21 Trophy werden die Mannschaften der Promo League aufgelistet, die am meisten Spieler einsetzen, die ihr 21. Lebensjahr noch nicht abgelegt haben – natürlich ohne die drei offiziellen U21-Teams. In der aktuellen Statistik der 13 verbleibenden Clubs zeigt sich: Der SC Brühl führt die Rangliste an, und zwar mit grossem Abstand. So setzten die Kronen im letzten Herbst in elf Spielen 59-mal U21-Spieler ein und diese spielten gesamthaft 4220 Minuten, oder umgerechnet fast 47-mal 90 Minuten. Auf Platz zwei folgen mit 39 Einsätzen die Black Stars aus Basel, wobei hier die Jungen nur 1835 Minuten spielten. Danach kommen Rapperswil-Jona und Köniz. Am anderen Ende der Rangliste stehen YF Juventus und Münsingen, bei denen im Herbst keine einziger Unter-21 auf dem Platz stand. Ebenfalls wenig Einsätze für die Youngsters gibt es bei Yverdon Sport, dem Aufstiegsaspiranten.

Der Sportchef von Brühls erster Mannschaft, Roger Jäger, ist natürlich stolz auf den ersten Platz in der U21 Trophy, freut sich auch über den finanziellen Zustupf, den es vom Fussballverband dafür gibt. Er verhehlt aber nicht: «Die Jugendlichkeit unseres Teams ist aus der Not geboren; wir wussten ja im letzten Sommer, dass es eine kostengünstige Mannschaft geben sollte.» Und günstig heisst im Fussball halt auch jung. Dem SC Brühl kommt dabei entgegen, dass Trainer Heris Stefanachi ein klassischer Ausbildungstrainer ist. «Er will und fordert junge, wilde Spieler, die noch hungrig sind und sich dabei auch für höhere Ligen empfehlen wollen», sagt der Sportchef. So haben es Spieler wie Lars Traber, Jan Wörnhard oder Lirim Shala mittlerweile sogar in die Stammmannschaft geschafft, und der aktuelle sechste Platz in der Winterrangliste zeigt, dass man mit dieser Jugendlichkeit nicht schlecht fährt beim SC Brühl.

«Ich würde lieber gegen Tuggen spielen als gegen Sion II»

Ein Interview mit Sportchef Roger Jäger

Vierzehn U21-Mannschaften haben anfangs Februar eine eigene «Schattenmeisterschaft» gestartet, um die Spielpraxis nicht zu verlieren. Zu ihnen gehören Basel, Sion und Zürich aus der Promo League, aber auch etwa der FCSG aus der ersten Liga und sogar der FC Aarau, der dafür extra eine Mannschaft zusammenstellen musste. Ärgert das den Brühler Sportchef?
Nein, das ärgert mich nicht, im Gegenteil. Es ist wichtig, dass die jungen Spieler ihre Einsatzminuten erhalten, um sich weiter zu entwickeln. Deshalb würden wir auch gerne trainieren und spielen. Eher fragwürdig ist für mich, dass da immer wieder auch Spieler aus der ersten Mannschaft eingesetzt werden. Diese kommen zwar aus Verletzungen, trotzdem sind sie deutlich älter als 21. Das hat ja dann nichts mit Nachwuchsförderung zu tun.

Es ist viel von Ungerechtigkeit die Rede, wenn es darum geht, dass drei U21-Teams der Promo League jetzt trainieren und die anderen 13 Teams nicht. Wieviel macht der Vorsprung wirklich aus?
Es macht ganz bestimmt etwas aus. Wieviel, werden wir dann sehen, wenn es wieder losgeht. Mit dem Ball zu trainieren ist ganz etwas anderes als nur Kraft- und Laufeinheiten in Kleingruppen zu absolvieren.

Es gibt jene, die sagen, die U21-Mannschaften seien sowieso kein Gewinn für die Promo League. Am besten wäre es, sie würden auch in Zukunft ihre eigene Liga bilden. Sind Sie auch dieser Meinung?
Schwierig! Attraktiv sind diese Teams definitiv nicht. Ich würde lieber Derbys gegen Tuggen oder Gossau spielen als gegen Sion II. Ich denke, ein Gewinn sind diese Teams nicht für diese Liga. Aus diesem Grund könnte ich persönlich gut darauf verzichten.