4. Juli 2025

Interview mit Marco De Grassi

Marco De Grassi verlässt nach etwas mehr als 20 Jahren den SC Brühl, um an seinem neuen Wohnort Montlingen eine nächste Herausforderung entgegenzunehmen. Als Marco vor über 20 Jahren zum SCB kam, dachte er mit Sicherheit nicht, dass daraus all die Jahre werden würden. Als Aktivspieler musste er sich zwei Knieoperationen unterziehen, was ihn bereits im jungen Alter dazu bewog, sich dem Trainerjob zuzuwenden. Dabei zeigte sich von Beginn weg, dass Marco der geborene Ausbildner ist. Seine grössten Qualitäten sind: ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, grosse taktische Kenntnisse, Fähigkeit, das Wissen zu vermitteln und umzusetzen. Mit dem Weggang von Marco verliert der SCB einen guten Trainer und einen ebenso guten Freund.

 

Wie kamst du zum SCB?

Nachdem ich den Sprung beim FCSG U16 nicht geschafft hatte, wollte ich mit meinem Schulkameraden und langjährigen besten Freund Arif Celebi beim SCB in der zweiten Stärkenklasse der B-Junioren spielen. Mauro Pedone hatte jedoch etwas dagegen und nahm mich nach dem ersten Training bereits in die damalige Meisterklasse auf. Im Nachhinein war es die beste Entscheidung und ich hatte den Spass am Fussball wieder entdeckt.

 

Wie bis du dazu gekommen, die Trainerlaufbahn einzuschlagen?

Nach zwei Knieoperationen im jungen Alter innerhalb von zwei Jahren war es schwierig, zurück in den aktiven Fussball zu kommen. Zudem hatte ich berufsbegleitend eine Weiterbildung angefangen und so wurde der Fussball zweitrangig. Nach einigen Jahren fehlte mir aber der Fussball und ich wollte wieder aktiver Teil davon sein. Ich hatte jedoch zu jenem Zeitpunkt das Gefühl, als Spieler nicht mehr das abliefern zu können, was es braucht, um auf einem guten Niveau zu spielen. Trainer zu sein war schon zu meiner aktiven Zeit immer ein Gedanke und so habe ich es einfach mal versucht und die Leidenschaft für den Fussball auf eine ganz andere Weise neu entdeckt.

 

Was gibst du jungen Leuten mit, die mit der Idee spielen, einen Trainerjob anzugehen?

Es braucht sehr viel Leidenschaft für den Fussball. Trainer ist deutlich anstrengender als Spieler zu sein. Wenn du einen guten Job machen willst, musst du viel Zeit investieren: Trainings vorbereiten und durchführen, Spiele organisieren, Trainingslager auf die Beine stellen, Sitzungen mit dem Team oder Vereinsfunktionären und Vieles mehr. Das alles gehört zum Alltag eines Trainers. Es gibt einem aber auch viel zurück und es macht Freude zu sehen, was über die Zeit aus deiner Arbeit entsteht.

 

Was wird dir am meisten vom SCB fehlen?

Mir wird Vieles fehlen. Von den Spielern über die Menschen, mit denen ich gearbeitet habe sowie die professionelle Organisation des Vereins. An dieser Stelle möchte ich mich besonders bei Mauro Pedone bedanken, der mich sowohl als Spieler als auch ins Traineramt damals zum Verein gebracht hat. Ein Dankeschön an Felix Mätzler, der mir bereits bei meiner ersten Aufgabe als Trainer viel Freiheiten gelassen und mich in meinen ersten Schritten begleitet hat sowie an alle Assistenten und Leute, die mir geholfen haben, den Alltag im Fussball zu gestalten. Last but not least natürlich ein besonderes Dankeschön an dich, Mauro, der mich über all diese Jahre seit meinen ersten Schritten stets unterstützt und begleitet hast und dabei immer an das Potential in mir geglaubt und meine Arbeit im Verein geschätzt hast.

 

Was sind die wichtigsten Prinzipien/Grundsteine deiner Spielphilosophie?

Natürlich die Freude am Spiel. Jedes Training und jede Saison wurden so ausgelegt, dass die Spieler möglichst viel Spass am Fussball haben. Dabei war es mir aber auch wichtig, ein Saisonziel zu definieren, um die Motivation hochzuhalten. Es ist mir stets wichtig, dass die Spieler mutig sind und keine Angst haben Fehler zu machen – solange sie auch daraus lernen wollen.

 

Was würdest du im Nachhinein anders machen?

Ich hatte vor einigen Jahren die Anfrage des FCSG, als Assistent in der U18 einzusteigen. Ich habe damals dankend abgelehnt, weil wir das Ziel hatten, mit dem SCB2 in die zweite Liga aufzusteigen. Das Ziel haben wir dann auch erreicht. Dennoch überlege ich mir teilweise, ob ich diesen Schritt nicht hätte wagen sollen. Es zeigt aber auch meine Verbundenheit zum SCB und ich hätte viele schöne Momente verpasst, hätte ich damals zugesagt.

 

Was willst du den Jungs im Zwei für die kommende Saison mitgeben?

Es sind alles großartige Jungs, nicht nur mit viel fussballerischem Talent, sondern auch mit dem Herz am richtigen Fleck. Dies allein reicht jedoch nicht aus, um ganz oben in der 3. Liga mithalten zu können und ich finde, dort gehört eine Mannschaft wie der SCB hin. Ich hoffe, dass sie die richtige Motivation und Disziplin finden, um den nötigen Schritt zu machen und wünsche Ihnen natürlich nur das Beste auf diesem Weg.

 

Was erwartet dich im neuen Verein?

Was mich genau erwartet, weiss ich noch nicht. Ich habe aber gesehen, wie viele Leute mit Herz, Leidenschaft und Engagement im Verein arbeiten, um den Mädchen und Jungs das Fussballspielen zu ermöglichen. Es gibt viele spannende Projekte, wie der «Rock am Fels» oder die geplante Ausweitung der Anlage mit einem neuen Kunstrasen. Ich werde die B-Jugend trainieren, welche im Sommer in die Youth League aufgestiegen ist, und freue mich auf die Herausforderung, welche bestimmt nicht einfach sein wird. Ich durfte die Mannschaft bereits kennenlernen und mit ihnen arbeiten. Trotz der langen Saison in den Beinen und den anstehenden Sommerferien haben sie sich bereits zur Verfügung gestellt und angefangen zu arbeiten – und für ihre Bereitschaft bin ich sehr dankbar.

 

Marco, vielen Dank für das Interview und die tolle Zeit mit dir. Wir wünschen dir viel Erfolg und Freude auf deinem neuen Weg und freuen uns auf jede Gelegenheit für ein Wiedersehen.

Mauro Palazzesi