4. Dezember 2025

Interview mit Petar Pavlovic

Die A Junioren des SCB dominieren die Herbstrunde in eindrücklicher Manier. Einige Eckzahlen zur Erinnerung:

 

Die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr lässt sich sehen: woran führst du dies hauptsächlich zurück?

Die positive Entwicklung gegenüber dem Vorjahr ist klar erkennbar und lässt sich hauptsächlich auf die konsequente Weiterführung des bereits im Vorjahr eingeleiteten Prozesses zurückführen. Zwar benötigte dies etwas Zeit und Geduld, doch durch den gezielten Fokus auf eine gemeinsame Spielphilosophie, bei der wir die Entwicklung des Teams klar in den Vordergrund gestellt haben, konnten wir diese Fortschritte nun auch resultattechnisch umsetzen. Ziel dieser Herbstrunde war es, gemeinsam als Einheit einen attraktiven, dominanten Fussball zu spielen und uns als Mannschaft kontinuierlich weiterzuentwickeln. Besonders hervorzuheben ist zudem auch das hohe Engagement, die starke Bereitschaft und die Motivation der Spieler, die täglich mit grosser Neugier und Einsatz auf dem Platz arbeiten.

 

Wie zufrieden bist du grundsätzlich mit den Leistungen deiner Jungs?

Mit den Leistungen meiner Jungs in dieser Herbstrunde bin ich grundsätzlich sehr zufrieden. Zu Beginn der Saison haben wir uns bewusst dafür entschieden, verstärkt mit jungen Spielern zu arbeiten. Bereits im Sommer wurden einige Spieler frühzeitig aus den B-Junioren in die AYL integriert, um mit einem jungen, neugierigen und entwicklungsfähigen Kader in die Saison zu starten. Diese Neugier und der klare Wille zur Weiterentwicklung haben sich im Verlauf der Saison deutlich gezeigt.

Ein gutes Beispiel dafür ist Luan Veselji, unser Torschützenkönig, der sich Tag für Tag kontinuierlich weiterentwickelt und dessen Neugier sowie Wille zur Verbesserung täglich deutlich spürbar sind. Gleichzeitig befinden sich auch viele weitere Spieler in einer enorm positiven Entwicklung. Dabei verfolgen wir bewusst einen klaren Ansatz: wir unterscheiden zwischen Spielern, die bereits länger Teil der Mannschaft sind, und jenen, die neu aus den B-Junioren oder der A-Promo dazugekommen sind. Bei den erfahrenen Spielern arbeiten wir neben ihrer sportlichen Leistung insbesondere auch an ihren Führungsqualitäten, Verantwortung und Persönlichkeit, um das Team auf und neben dem Platz zu führen.

Die jüngeren Spieler wiederum sollen sich möglichst schnell in unsere Spielphilosophie einleben, sich kontinuierlich weiterentwickeln und in verschiedenen Bereichen wie bspw. Technik oder Taktik dazulernen. Diese Fortschritte sind klar erkennbar und bestätigen uns auf unserem Weg. Insgesamt zeigen die Jungs eine sehr positive Entwicklung, sowohl individuell als auch als Team, was mich als Trainer sehr zufrieden stimmt.

 

Wie lautet eure Spielphilosophie?

Geduldiges, kontrolliertes Horizontalspiel anstelle von schnellem, erzwungenem Vertikalspiel. Wir legen den Fokus bewusst auf ein kontrolliertes Horizontalspiel mit vielen Pässen in der Breite, um den Gegner zu Verschiebungsbewegungen zu zwingen und dadurch gezielt Lücken zu schaffen. Durch kontinuierliche Verlagerungen von links nach rechts – und umgekehrt – sowie das Schaffen von Überzahlsituationen in den einzelnen Zonen wollen wir das Spiel dominieren und den Rhythmus bestimmen.

Dabei gehen wir durchaus auch Risiken ein, geben den Spielern jedoch bewusst die Verantwortung und die Freiheit, situationsbedingt selbst zu entscheiden, ob und wann dieses Risiko eingegangen wird, um den Lernprozess noch mehr zu fördern. Unser Ziel ist es, durch strukturiertes Positionsspiel, kluge Raumaufteilung und hohe Spielintelligenz zu Torchancen zu kommen – idealerweise mit möglichst wenigen direkten Zweikämpfen und stattdessen durch spielerische Lösungen.

Diese Philosophie ermöglicht es uns nicht nur, attraktiven und kontrollierten Fussball zu spielen, sondern fördert gleichzeitig auch die individuelle und kollektive Weiterentwicklung der Spieler, da sie lernen, Spielsituationen selbstständig zu lesen, verantwortungsbewusst zu entscheiden und ihre technischen sowie taktischen Fähigkeiten kontinuierlich zu verbessern.

 

Woran muss deines Erachtens gearbeitet werden, um die erreichten Fortschritte zu festigen und möglicherweise zu optimieren?

Um die erreichten Fortschritte nachhaltig zu festigen und weiter zu optimieren, müssen wir weiterhin konsequent an unserer Spielphilosophie, der Intensität und der Konstanz arbeiten. Ein zentraler Punkt ist die Stabilität in unserem Spiel über die gesamten 90 Minuten hinweg sowie die Fähigkeit, unsere Struktur auch unter Druck und in schwierigen Spielphasen beizubehalten.

Zudem gilt es, die individuelle Weiterentwicklung der Spieler weiter voranzutreiben – insbesondere in den Bereichen Entscheidungsfindung, Spielintelligenz und Handlungsschnelligkeit. Auch die Kommunikation auf dem Platz und das gegenseitige Coaching innerhalb der Mannschaft können noch verbessert werden, um Abläufe effektiver und effizienter zu gestalten.

 

Wie zufrieden bist du mit den Trainingsbedingungen und wie könnte die Situation verbessert werden?

Grundsätzlich war uns von Beginn an bewusst, dass wir hinsichtlich der Platz- und Infrastrukturbedingungen gewisse Limitationen haben. Diese stellen jedoch kein wesentliches Hindernis dar, sondern vielmehr einen Rahmen, innerhalb dessen wir bestmöglich arbeiten. Positiv hervorzuheben ist insbesondere die Verpflichtung des neuen Technischen Leiters Özenc Yalcin, durch den wir wertvolle externe Inputs erhalten haben, die unsere Trainingsqualität sowie unser fachliches Know-how weiter bereichern und neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.

Natürlich wäre es wünschenswert, gewisse Einheiten – insbesondere taktische Trainingsinhalte – regelmässiger auf einem grossen Platz durchführen zu können. Gleichzeitig müssen wir uns jedoch bewusst sein, dass wir uns im Amateurbereich bewegen. Trotz dieser Rahmenbedingungen sind wir bestrebt, unsere Trainings so intensiv und qualitativ hochwertig zu gestalten, dass sie sich möglichst nahe am Niveau unserer Promotion-League-Mannschaft orientieren.

Insgesamt sehe ich im Verein eine klare und positive Entwicklung.

 

Wie stehst du zum heutigen Modus im Juniorenfussball und in erster Linie bei den A-Junioren?

Zum heutigen Modus im Juniorenfussball, insbesondere bei den A-Junioren, stehe ich offen und ehrlich kritisch gegenüber. Die grundsätzlichen Gedanken hinter diesem Modell sind für mich zwar nachvollziehbar, dennoch bin ich mit der aktuellen Umsetzung nicht einverstanden. Man darf nicht vergessen, dass die A-Junioren die letzte Stufe im Juniorenbereich darstellen und für viele Spieler den direkten Übergang in den Aktivfussball bedeuten. Genau aus diesem Grund sollte der Spielmodus bereits auf dieser Stufe möglichst nahe an denjenigen des Aktivfussballs angepasst sein.

Die Regelung mit der Zehn-Minuten-Strafe nach einer gelben Karte ist sportlich zwar erklärbar, bringt jedoch zusätzliche Faktoren mit sich, die den Spielfluss und den Fokus auf konstruktiven Fussball erschweren. Mannschaften sind gezwungen, über längere Phasen in Unterzahl zu agieren, was nicht nur die Spielstruktur beeinflusst, sondern auch andere wichtige Entwicklungsaspekte hemmt und den Schwerpunkt vermehrt auf Resultat statt auf Ausbildung legt.

Auch die Teilung der Tabelle im Winter sehe ich kritisch. Im Fussball geht es um eine kontinuierliche und stetige Entwicklung und elf Partien sind aus meiner Sicht nicht ausreichend, um eine realistische Leistungsbeurteilung vorzunehmen. Dies führt dazu, dass Teams aufgrund von kurzfristigen Resultaten unter Druck geraten und gezwungen sind, unüberlegte Entscheidungen zu treffen – wie beispielsweise das Hinzuziehen von Aktivspielern, was letztlich der nachhaltigen Entwicklung der Junioren widerspricht.

Meiner Meinung nach sollte der Fokus klar auf der langfristigen Ausbildung liegen, denn Entwicklung braucht Zeit und Geduld. Deshalb bin ich ein klarer Befürworter eines klassischen Ligamodus mit einer regulären Herbst- und Frühlingsrunde, bei dem die Punkte über die gesamte Saison hinweg gesammelt werden. Dieses Modell fördert nicht nur die sportliche Fairness, sondern auch eine gesunde und nachhaltige Entwicklung von Spielern und Teams.

 

Sind auf den Frühling hin Änderungen im Spielerkader oder im Trainerteam vorgesehen?

Grundsätzlich erwarten wir aktuell keine frühzeitigen Änderungen im Spieler- oder Trainerkader. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass unsere Jungs sehr gute Leistungen gezeigt und dadurch auch Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. In solchen Fällen liegt es sowohl in meinem Interesse als auch im Interesse des Vereins, stets den bestmöglichen Weg für den einzelnen Spieler zu wählen und seine individuelle Entwicklung klar in den Vordergrund zu stellen. Sollte es dennoch zu möglichen Veränderungen kommen, werden diese sorgfältig und stets im Sinne der sportlichen und persönlichen Weiterentwicklung des Spielers beurteilt.

Unser Ziel ist es, den Spielern beim SC Brühl die bestmöglichen Voraussetzungen für eine optimale Weiterentwicklung zu bieten. Dabei verfolgen wir im Trainerteam konsequent die Vision, Spieler so auszubilden, dass sie perspektivisch den Schritt irgendwann in die Promotion League schaffen können. Dieser Weg erfordert Geduld, hohe Einsatzbereitschaft und eine starke Eigenmotivation seitens der Spieler.

Im Trainerteam sehe ich für die kommende Frühjahrsrunde keinerlei Anpassungen. Wir sind sehr motiviert, die Spieler täglich weiterzuentwickeln und die Trainingsintensität auf ein möglichst hohes Niveau zu bringen – orientiert an den Anforderungen unserer Promotion-League-Mannschaft. Ich bin überzeugt, dass dieser Weg realistisch und nachhaltig ist, sofern wir als Verein und Trainerteam weiterhin professionelle Rahmenbedingungen schaffen und die Spieler mit Leidenschaft, Wille und Geduld an ihrer Entwicklung arbeiten.

 

Wie lautet grob die Trainingsplanung bis zum Start der Frühlingsrunde?

Die Trainingsplanung muss aktuell stark an die winterlichen Bedingungen angepasst werden. Momentan liegt der Fokus eher auf dem Ski- und Snowboardfahren als auf dem Freischaufeln der Trainingsplätze. Dennoch versuchen wir, die Einheiten so lange wie möglich bis Weihnachten aufrechtzuerhalten und das Beste aus den vorhandenen Möglichkeiten herauszuholen.

Nach Weihnachten legen wir eine etwas längere Erholungsphase ein, bevor wir Anfang Februar gezielt in die Vorbereitung auf die Frühlingsrunde starten. In dieser Phase haben wir bereits einige spannende und interessante Testspiele geplant, um die Mannschaft optimal auf die kommenden Herausforderungen einzustimmen und weiterhin konsequent an unserer Spielidee zu arbeiten.

 

Wohin soll dein Weg als Trainer führen?

Solange ich mit dieser Freude und Leidenschaft auf dem Platz stehe, wünsche ich mir, dass mein Weg als Trainer so weit wie möglich führt. Gleichzeitig bin ich mir bewusst, dass ich mich im Amateurbereich bewege und dieser Weg Geduld, Kontinuität und stetige Weiterentwicklung erfordert. Im Zentrum meiner Arbeit steht klar die Entwicklung der Spieler. Solange ich dieser Philosophie treu bleibe und nicht meine eigene Person in den Vordergrund stelle, bin ich überzeugt, dass ich mich als Trainer – gemeinsam mit dem Team – weiterhin so positiv weiterentwickeln kann, wie wir es in den letzten eineinhalb Jahren getan haben.

Wohin dieser Weg führen wird, lässt sich heute nicht genau sagen. Ich bin jedoch überzeugt, dass der SC Brühl umsomehr eine attraktive Plattform für Spieler und Trainer bieten wird. Ein besonders gutes Beispiel dafür ist auch Eric Hug, der sich als Trainer in userem Trainerteam äusserst positiv entwickelt hat und zunehmend mehr Interesse und Leidenschaft für seine Trainertätigkeit entwickelt. Zudem bringt er mit seiner Erfahrung als Spieler eine hervorragende Basis mit und verfügt über sehr grosses Potenzial als Trainer. Auch die Integration von Gabriel Caliandro in das Trainerteam bringt zusätzliche wertvolle Impulse und Potenzial. Für mich ist klar, dass nicht nur Spieler, sondern ebenso Trainer gefördert und ihnen Perspektiven geboten werden müssen.

Als Verein mit einer Mannschaft in der Promotion League sehen wir es als unsere Verantwortung, den Nachwuchs gezielt weiterzuentwickeln und Spielern langfristig den Schritt in die erste Mannschaft zu ermöglichen.Dieser Weg erfordert Geduld, Einsatzbereitschaft und Opferbereitschaft seitens der Spieler, aber ebenso eine klare Haltung, hohe Professionalität und Engagement von uns Trainern. Wenn beide Seiten diesen Weg konsequent mittragen, bin ich überzeugt, dass eine nachhaltige und erfolgreiche Entwicklung möglich ist.

 

Was willst du deinen Jungs auf ihren Weg mitgeben?

Diese Haltung vermittle ich den Spielern klar: wer das Ziel verfolgt, eines Tages Teil der ersten Mannschaft zu sein, muss eine aussergewöhnliche Bereitschaft auf und neben dem Platz zeigen . Sie müssen bereit sein, mehr zu investieren als die Konkurrenz – und zwar nicht nur minimal, sondern mit deutlich sichtbarem Mehraufwand und höherer Intensität, Disziplin, Einstellung und persönlicher Weiterentwicklung. Talent alleine reicht nicht aus!

Ein gutes Beispiel dafür ist auch der Werdegang von Alessandro Vogt beim FC St. Gallen, der seinen Weg nicht über eine klassische, durchgängige Nachwuchsstruktur gemacht hat, sondern über den Umweg eines 1. Ligisten. Das zeigt deutlich, dass es verschiedene Wege nach oben gibt – entscheidend ist die Haltung, die Arbeitseinstellung und die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Und selbst wenn es schlussendlich sportlich nicht ganz reichen sollte, nehmen die Spieler dennoch extrem wertvolle Erfahrungen mit – sei es für die Schule, den Beruf oder das persönliche Leben. Disziplin, Durchhaltevermögen und Verantwortungsbewusstsein sind Kompetenzen, die weit über den Fussball hinausgehen und letztlich immer ein Gewinn fürs Leben sind.

 

Petar, ich bedanke mich für die interessanten Ausführungen und wünsche dir auf deinem weiteren Weg viel Erfolg und ebenso viel Freude.

Mauro Palazzesi