26. Dezember 2025
SCB 2: Es geht bald wieder los
Bei Saisonhälfte liegt die zweite Mannschaft des SCB auf dem zweiten Tabellenrang der Drittliga Gruppe 2. Nach einem voll vergeigten Start mit einem einzigen Punkt aus drei Spielen konnte sich das Team aufraffen und hat seitdem nicht mehr verloren. Das Team wird durch Mentor Krasniqi (Cheftrainer), Sevalj Ljatifi (Assistenztrainer) und Arif Celebi (Torhütertrainer) betreut.
Wir wollen im Hinblick auf die Rückrunde, welche anfangs April 2026 startet, mehr über die Denk- und Arbeitsweise von Mentor Krasniqi erfahren, sowie darüber, wie die zweite Saisonhälfte in Angriff genommen werden soll.
Wie erklärst du dir den Saisonverlauf?
Der Start war schwierig und schlecht, das müssen wir nicht schönreden. Wir hatten neue Abläufe, wenig Automatismen und auch mental noch nicht die nötige Stabilität. Ab der vierten Runde hat die Mannschaft verstanden, was wir wollen: klare Rollenverteilung, einfache Prinzipien, viel Einsatz. Ab diesem Moment waren wir präsent, konzentriert und deutlich konstanter.
Fünf Punkte Abstand hinter dem Tabellenführer aus Rebstein sind nicht wenig. Ist die Lücke schliessbar?
Fünf Punkte sind nicht unüberwindbar. Entscheidend ist nicht, was Rebstein macht, sondern was wir Woche für Woche auf den Platz bringen. Wenn wir unsere Leistung bestätigen und jedes Spiel konsequent zu Ende spielen, ist alles möglich. Druck brauchen wir keinen aufzubauen, der Fokus liegt auf uns.
Das Team hat ab der vierten Runde viele Gegner dominiert, dennoch Punkte liegen lassen. Warum?
Dominanz garantiert keine Punkte. Wir haben teilweise zu wenig aus unserer Überlegenheit gemacht, waren vor dem Tor nicht effizient genug oder haben uns kleinere oder grössere Unkonzentriertheiten erlaubt. Das sind typische Entwicklungsschritte einer jungen Mannschaft. Wichtig ist, dass wir daraus lernen und nicht dieselben Fehler wiederholen.
Was gibt es gegenüber der Vorrunde mit Priorität zu verbessern?
Ganz klar: Effizienz und Spielkontrolle in den entscheidenden Phasen. Wir wollen früher klare Verhältnisse schaffen und Spiele besser verwalten. Dazu gehören auch Kommunikation auf dem Platz und saubere Entscheidungsfindung unter Druck.
Dein Team hat verschiedene Spielsysteme gespielt. Was dürfen wir im Frühling erwarten?
Das System ist nie wichtiger als die Spieler selbst. Wir bleiben flexibel, verändern jedoch unsere Grundprinzipien nicht: kompakt stehen, mutig nach vorne spielen, Ballbesitz, kollektives Auftreten in allen Phasen der Begegnung und aggressives Spiel gegen den Ball. Ob es am Ende ein 4-3-3, ein 4-2-3-1 oder ein 3-5-2 sein soll, ist zweitrangig.
Hamid Rezai verlässt den Verein, obwohl er Topscorer war. Wie gehst du damit um?
Solche Abgänge gehören dazu. Natürlich tut es sportlich weh, wir verlieren einen jungen und guten Spieler, geben aber anderen Spielern die Chance für den nächsten Schritt. Das Team muss Aufgaben und Verantwortung neu verteilen und das kann auch positive Effekte mit sich bringen.
Gibt es weitere Änderungen im Kader?
Wir erwarten keine grossen Umwälzungen und wenn, dann punktuelle Anpassungen, die uns sportlich und menschlich weiterbringen. Wichtig ist, dass der Kern zusammenbleibt.
Auffällig ist die Stabilität im Kader in den letzten Jahren. Wie wurde das erreicht?
Durch Vertrauen und Ehrlichkeit. Die Spieler wissen, woran sie sind, und dass Leistung zählt – aber der Mensch genauso wichtig ist. Zudem identifizieren sich die meisten unserer Spieler mit dem Verein, weil sie hier ausgebildet wurden und schlicht gerne bei uns sind.
Wie integrierst du neue Spieler ins Team?
Schritt für Schritt. Erst Verständnis für unsere Prinzipien schaffen, dann Verantwortung übertragen. Wichtig ist, dass neue Spieler geduldig sind und nicht alles verändern wollen, sondern sich einfügen und dabei ihre Stärken einbringen.
Die zweite Mannschaft rekrutiert sich mehrheitlich aus dem eigenen Nachwuchs. Zufall oder Absicht?
Ganz klar Absicht. Unser Ziel ist es, Spieler nicht nur sportlich, sondern auch langfristig zu entwickeln. Eigene Junioren bringen Identifikation, Lernbereitschaft, Qualität und Geduld mit.
Wie gehst du mit Spielern um, die unzufrieden sind mit ihrer Leistung?
Ich suche das Gespräch. Unzufriedenheit kann ein Antrieb sein, wenn man sie richtig lenkt. Wichtig ist, dass wir gemeinsam Lösungen finden und realistisch bleiben. Bei einem grossen Kader mit guter Qualität ist naturgemäss der Konkurrenzkampf gross. Das wiederum fördert die Weiterentwicklung einzelner Spieler und es ist meine bzw. unsere Aufgabe, Spieler und Mannschaft weiterzubringen.
Wie analysiert ihr die Teamleistung nach einem Spiel?
Kurz und ehrlich. Was war gut, was war nicht gut – und warum? Wir verlieren uns nicht in Details, sondern fokussieren uns auf Dinge, die wir beeinflussen können.
Wie zufrieden bist du mit den Trainingsbedingungen?
Klar wünscht man sich immer mehr, aber wir arbeiten mit dem, was wir haben. Wichtig ist die Qualität der Trainingseinheiten, nicht die Perfektion der Infrastruktur.
Was willst du deinen Spielern fürs neue Jahr mit auf den Weg geben?
Natürlich gesund und verletzungsfrei zu bleiben, weiterhin hungrig aufzutreten, diszipliniert sein und das Vertrauen zueinander auszubauen. Wenn wir als Team unsere spielerischen Stärken mit einer guten Mentalität und Einstellung verbinden können, steht uns eine erfolgreiche Zukunft bevor.
Mentor, ich danke dir für deine Arbeit und wünsche dir, deinem Trainerstaff sowie den Spielern alles Gute fürs neue Jahr und den weiteren Saisonverlauf.
Mauro Palazzesi