13. August 2026
Wir packen die Taschen — schon wieder
Es gibt in jeder Nachbarschaft dieses eine Haus, bei dem sich der Briefkasten füllt. Die Reklame quillt heraus, die Gratiszeitung wird gelb, und irgendwann fragt man sich, ob man mal klingeln sollte. Dann kommen sie zurück, drei Wochen später, braungebrannt, und sagen: «Ach, wir waren unterwegs.»
Ungefähr so muss sich das derzeit beim FC Wiesendangen anfühlen. Die Vorbereitung der Zweitligisten aus dem Zürcher Weinland führte nach Regensdorf, danach nach Tobel-Affeltrangen, danach nach Tägerwilen, danach zu Unterstrass. Vier Testspiele, vier Mal Kabinentasche packen, vier Mal auswärts. Eine Auswärtsquote von hundert Prozent — ein Wert, den sonst nur Handelsreisende und Zugbegleiter erreichen.
Wir dürfen uns da allerdings nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Nach dem Auftakt im Paul-Grüninger-Stadion ging es für uns nach Luzern, am Freitag geht es nach Wiesendangen, und danach folgt in kurzen Abständen der Rest der Schweiz. Der Car steht dieser Tage öfter warm als kalt. Wer bei uns eine Woche ohne Reisecar erleben will, muss auf den Winter warten.
Immerhin: In Luzern lief es. 2:0, zwei Tore in den ersten neun Minuten, und nebenbei der erste Sieg auf der Hubelmatt in der Vereinsgeschichte. Sechs Punkte aus zwei Spielen. Das ist eine Ausgangslage, mit der man ganz gut nach Wiesendangen fahren kann — und zugleich eine, die genau die Sorte Selbstzufriedenheit begünstigt, für die der Cup seit Jahrzehnten die passenden Strafen bereithält.
Denn am Freitag ist es nicht irgendein Spiel. Erste Hauptrunde des Schweizer Cups, Anpfiff 20:15 Uhr, Sportplatz Rietsamen, Flutlicht. Für einen Zweitligisten ist das der Abend, auf den ein ganzes Vereinsjahr zuläuft. Die Bratwurst wird geplant wie ein Staatsempfang, das Bierdepot verdoppelt, und irgendwer im Vorstand wird am Samstagmorgen mit gerötetem Gesicht sagen, es sei alles wunderbar gelaufen. Wir wünschen ihnen von Herzen, dass es stimmt. Wir kennen dieses Gefühl — und wir wissen, wie viel Arbeit dahintersteckt.
Sportlich ist die Sache schwerer einzuschätzen, als uns lieb wäre. Wiesendangen startet erst nach dem Cupspiel in die Meisterschaft. Keine Resultate, keine Tabelle, keine Formkurve. Nur vier Testspiele, deren Aussagekraft ungefähr jener der Wetterprognose für den 12. Oktober entspricht. Wir wissen: Sie sind gut vorbereitet. Wir wissen nicht: worauf.
Was wir dagegen wissen: Der Cup lebt genau von solchen Abenden. Enger Platz, Publikum dicht am Feld, ein Gegner, der nichts zu verlieren hat und das auch weiss. Wer da mit halber Konzentration anreist, hat auf der Rückfahrt viel Zeit, über das Wesen des Pokals nachzudenken. Wir haben nicht die Absicht, diese Erfahrung zu machen.
Also: Taschen packen, Rietsamen, Freitagabend. Als Gäste, mit Respekt — und mit der klaren Absicht, den Abend für die Gastgeber nicht ganz so schön zu gestalten, wie sie ihn sich vorstellen.
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