21. August 2026
Wo die Pappeln stehen
Es gibt in der Schweiz Orte, die man nur vom Fussball kennt. Man hat sie nie besucht, man weiss nicht, wie viele Menschen dort wohnen, man könnte sie auf einer Karte höchstens grob einkreisen — aber man kennt den Namen des Sportplatzes auswendig. Bavois ist so ein Ort.
Stade les Peupliers. Stadion der Pappeln. Man muss sich das kurz auf der Zunge zergehen lassen. Wir haben in dieser Liga Sportplätze mit Namen erlebt, die klingen wie Bushaltestellen. Und dann gibt es Bavois, wo offenbar jemand nach draussen geschaut, die Bäume gesehen und gedacht hat: Passt.
Wir haben das gegoogelt, weil wir das immer tun. Bavois liegt im Waadtland, im Nordwesten des Kantons, und hat gut tausend Einwohner. Tausend. Der Verein spielt in der Promotion League, was rein rechnerisch bedeutet, dass an einem guten Spieltag ein spürbarer Teil des Dorfes am Spielfeldrand steht. Das nötigt uns Respekt ab. Bei uns in St. Gallen bräuchte man dafür eine Beteiligungsquote, die selbst der Stadtrat nicht hinbekommt.
Am Samstag um 16:00 Uhr sind wir dort zu Gast. Und wir kommen mit einer Aufgabe, die uns nicht ganz unbekannt vorkommt.
Denn wenn zwei Mannschaften am Mittwoch beide mit 1:0 verloren haben, entsteht eine seltsame Symmetrie. Wir unterlagen zuhause Biel-Bienne, nach einem Traumtor aus dreissig Metern und einer Schlussphase, in der wir alles versuchten. Bavois verlor auswärts beim Aufsteiger YF Juventus, ebenfalls 1:0. Zwei Mannschaften, zwei knappe Niederlagen, ein gemeinsamer Wunsch für Samstag. Man ahnt, worauf das hinausläuft.
Unterschätzen sollten wir die Waadtländer ohnehin nicht. Sie starteten mit einem 2:0 gegen Bellinzona in die Saison und holten danach ein 2:2 gegen Zürich U-21. Vier Punkte aus drei Spielen, dazu ein Heimplatz, den sie deutlich besser kennen als wir. Wer in dieser Liga glaubt, eine Reise ins Waadtland sei ein Ausflug, kommt in aller Regel mit leeren Händen zurück.
Apropos Reise: Es ist die weiteste der bisherigen Saison. Der Car verlässt St. Gallen am Samstagvormittag, quert die halbe Schweiz und trifft irgendwann am frühen Nachmittag zwischen den namensgebenden Pappeln ein. Wer schon einmal in einem Mannschaftscar von der Ostschweiz ins Waadtland gefahren ist, weiss: Irgendwo bei Bern beginnt die Phase, in der niemand mehr redet.
Für alle, die den Samstag lieber näher am Bodensee verbringen: Das Spiel wird live in der Kronen Lounge im Paul-Grüninger-Stadion übertragen. Gemeinsam mitfiebern, ohne dreieinhalb Stunden Autobahn, mit deutlich besserem Zugang zu kühlen Getränken. Auch eine Form der Unterstützung, und wir wissen sie zu schätzen.
Samstag, 22. August, 16:00 Uhr, Stade les Peupliers. Zwei Mannschaften, die etwas gutzumachen haben. Ein Dorf mit tausend Einwohnern. Und ein paar Pappeln, die das alles schon länger beobachten als wir.