18. August 2026

Zwei Männer auf einem Dach

Sie sind seit Wochen da oben. Man sieht sie schon von der Strasse, wenn man ans Stadion heranfährt: zwei Gestalten auf dem Tribünendach, in orangen Westen, dazwischen ein Gerüst und dieser leise Optimismus, den Baustellen ausstrahlen, ohne dass jemand je ein Datum nennen möchte.

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Wir haben uns an sie gewöhnt. Wir grüssen inzwischen hoch, sie winken zurück. Irgendwann fragte einer von uns, wie lange es denn noch dauere. Die Antwort — «kommt gut» — war so unbestimmt, dass wir seither nicht mehr fragen. Man will ja niemanden hetzen, der in vier Metern Höhe über unserem Stadion arbeitet.

So viel darf man aber sagen: Es geht dem Ende zu. Langsam, aber sicher. Am Mittwoch ist die Haupttribüne allerdings noch gesperrt — wir bitten wie bisher um Verständnis, und wir wissen, dass die Stimmung ohne sie ein bisschen anders klingt. Sie ist trotzdem da. Das hat der Auftakt gezeigt.

Und um Stimmung wird es am Mittwoch gehen. Denn was da um 19:30 Uhr ins Paul-Grüninger-Stadion kommt, ist ein Spitzenspiel. Am dritten Spieltag, aber immerhin.

Der FC Biel-Bienne steht bei sechs Punkten aus zwei Runden — 1:0 gegen Zürich U-21, 4:1 gegen Aufsteiger YF Juventus. Also exakt dort, wo wir auch stehen. Zwei Mannschaften, zwei Siege, null Gegenpunkte im Kampf um die Tabellenspitze. Man muss keine höhere Mathematik betreiben, um zu erkennen, worum es geht.

Interessanter als die Punkte ist allerdings das, was die Bieler am vergangenen Wochenende im Cup gezeigt haben. Gegen Aarau lagen sie 0:2 hinten. Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit stand es 2:2. Danach 120 Minuten, dann das Penaltyschiessen, und erst dort war Schluss. Ausgeschieden, ja. Aber auf eine Art, die einem zu denken gibt.

Wir sind also gewarnt. Das Team aus dem Berner Seeland kann nicht nur Fussball, es kann auch Moral. Und Moral ist im Fussball das Unangenehmste, was ein Gegner mitbringen kann — sie hält sich an keine Spielminute und lässt sich nicht durch einen Zwei-Tore-Vorsprung beruhigen. Wir wissen das aus eigener Erfahrung. Beim Saisonauftakt gegen die Berner U-21 haben wir das Kunststück selbst vorgeführt, aus einem 0:2 ein 4:2 zu machen. Es ist also nicht so, dass wir das Konzept nicht verstünden.

Unsere eigene Woche verlief derweil ruhiger als die der Gäste: 6:0 in Wiesendangen, ohne Verlängerung, ohne Penaltyschiessen, ohne Zwischenfälle. Zweite Cuprunde erreicht, Beine geschont. Auch das kann ein Vorteil sein, wenn man am Mittwochabend wieder ran muss.

Mittwoch, 19. August, 19:30 Uhr, Paul-Grüninger-Stadion. Flutlicht, zwei Mannschaften mit voller Punktzahl, ein Gegner, der bis zur letzten Sekunde spielt.

Die beiden auf dem Dach haben dann übrigens Feierabend. Sie verpassen etwas.